Deutschland ein Flatrate-Traum

30.04.2008 09:41 Uhr | Kommentare: 0 | Kommentar hinterlassen
Einsortiert in Internet, Werbung, Gesellschaft

Da kündigen also die lieben Provider jeglicher Coleure mal so eben die Flatrate-Verträge mit ihren Kunden, weil die in Anspruch nahmen, wofür sie bezahl(t)en. Klar, kann man ja mal machen. Kann ja jeder machen was er will. Besonders wer seine Kunden mit Zweijahresverträgen knechtet.

Da frage ich mich doch: Sind es nicht genau die gleichen Unternehmen, die ihren Mitarbeitern immer wieder sagen. “Wir können ihnen nicht sagen, was in zwei Jahren ist”?

Und weil sie das eben nicht so genau wissen, mussten sie sich jetzt von den Kunden verabschieden, die die bunt und massiv beworbenen Angebote trotz zweijähriger Zwangsehe annahmen. Kann ja auch nicht sein, dass der Kunde das Unternehmen, dass ihm ein so großzügiges Angebot inklusive Mitgift des billigen Routers oder Handies machte, so schamlos ausnutzt. Welch ein Vertrauensbruch. Da hat man ja als Unternehmen gar keine andere Wahl als sich von solch egomanen Kunden zu trennen.

Wer von solch ausbeutenden Kunden heimgesucht wurde, lernt schnell. Schon zieren die Werbeplakate kleine Texte, die da verkünden, dass die Angebote “nur bei durchschnittlicher Nutzung” gelten. Klar ist natürlich, wer hier den Durchschnitt definiert. Um den nämlich herauszufinden, hat man als vorbildliches Unternehmen der Kommunikationsbranche, immerhin seine Prozesse nach ITIL umgemodelt. Die vielen zur Umstellung notwendigen Meetings, Audits, Berater, Weltverbesserer und sonstigen Umgestalter haben im Namen der Prozessverbesserung “Alles zum Wohle des Kunden” den Gewinn schon genug gedrückt. Da kann jetzt nicht auch noch der Kunde, für den man das ja alles schließlich gemacht hat, kommen, und die so schön verschlimmbesserten Services über Gebühr in Anspruch nehmen.

Der Kreis schließt sich: Denn jetzt kommt der Kunde in den Genuss von Effektivitäts- und Effizienzgewinn. Und wie immer bei solchen Anpassungen heißt es dann: Was stört muss weg. Kostenreduzierung ist alles. Und dieses Mal war es eben der Kunde selbst, der störte und die Bilanz drückte.

Aber was soll es. Das Leben geht weiter. Trotz mancher Heuschreckenkunden. Denn: Nur der Kunde, ja der, der steht - egal wie - immer im Mittelpunkt aller Aktivitäten eines Unternehmens.

 

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