Wunder-Journalismus

14.08.2007 12:48 Uhr | Kommentare: 1 | Kommentar hinterlassen

Ich sammle im Moment gerade ganz neuartige Erfahrungen im Umgang mit den Medien. Das Ergebnis ist zum Teil erschreckend. Nicht das es um ein wirklich weltbewegendes Thema geht. In dem Falle ist es nur Geocaching - aber das spielt eigentlich gar keine Rolle.

Man macht ein Interview und bekommt darauf hin diverse Nachfragen und Angebote weitere Interviews geben zu können. Eigentlich eine gute Sache denkt man sich. Also beantwortet man alle Anfragen brav per Email. In jeder Antwort weist man daraufhin, dass man einen Hype aber nicht noch mehr anfachen möchte. Oder anders ausgedrückt: Man möchte eine ordentliche Berichterstattung, bei der man auch erwartet, dass sich der Journalist (oder sie) wenigstens ein bisschen dafür interessiert, worum es eigentlich geht. Auf gar keinen Fall will man “Sensationspresse”.

Meine Emails enden alle mehr oder minder mit dem Satz: “Wenn Sie unter diesen Umständen bereit sind das mit uns zu machen, mailen Sie einfach oder rufen mich unter xxx an.” Das Ergebnis ist, das 60% aller Leute die ursprünglich ja so an dem Thema interessiert sind, sich nicht mehr melden. Okay - damit kann ich leben. Was anderes habe ich auch nicht erwartet.

Aber innerlich ärgert es mich doch schon, wenn diese Journalisten nicht mal mehr einen Einzeiler zu stande bringen, der einfach nur beinhaltet: “Okay, unter den gegebenen Umständen verzichten wir auf eine Zusammenarbeit mit Ihnen.” Höflichkeit gibt es wohl nicht mehr?!

Was die Damen und Herren Journalisten dabei nicht bedenken ist, dass ich durchaus bereit wäre, den Kontakt zu anderen Leuten herzustellen und sie somit vielleicht doch an die gewünschten Informationen kommen würden. Keine Höflichkeit - sprich keine Antwort - bedeutet wiederum keine weitere Hilfe. Sollen sie doch zusehen, wie sie zu ihren Themen kommen, um das selbst erfundene Sommerloch zu füllen.

Und prompt kommt mir doch in diesen Zusammenhang ein Artikel von Stefan Niggemeier unter. In ihm geht es darum, dass ein vermeintlicher journalistischer Virtuose glaubte, mal eben etwas über die “Unbedeutsamkeit der deutschen Bloggs” in die Tasten hauen zu müssen. Um die These zu untermauern, wurde selbst vor einem höchst amüsanten Sieben-Zeiler nicht halt gemacht. Dumm gelaufen für den süddeutschen Wortkünstler ist nur, dass die Autorin der schönen Geschichte, dieser und sich selbst nicht die Relevanz beimisst, die ihr angedichtet wird.

Das Finale ergibt sich fast von selbst: Aus Thüringen kommt nicht nur das Fazit, sondern ein entscheidender Ausspruch: “eklatante Unkenntnis”.

Und genau darum geht es in beiden Geschichten. Die Erwartungshaltung, dass Journalisten vor dem Veröffentlichen von Artikeln bereit sind, sich mit dem Thema wirklich zu beschäftigen. Nicht mehr und nicht weniger.

Nachtrag

Natürlich ist nur ein geringer Teil von Journalisten so, wie hier beschrieben. Aber wundern tut es mich schon, wie sich die Erfahrungen gleichen. Womit dann auch der Titel erklärt sein dürfte …

Ein Kommentar zu “Wunder-Journalismus”

  • #1

    […] Ich beantwortete also brav alle Emailanfragen. In den Antworten wies ich darauf hin, daß wir nur unter bestimmten Umständen bereit sind, etwas mit Medien zu machen. Das Ergebnis: Zu wenigen haben wir weiterhin Kontakt und werden wohl auch was machen. Bei anderen haben wir abgesagt oder man hat sich darauf geeinigt, daß man nicht zusammen paßt. Und dann gibt es noch eine dritte Gruppe von Journalisten: Bei denen wundert es eigentlich nicht wirklich, daß man nicht mal mehr ‘ne Antwort bekommt. […]

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