flickr: Durch Zensur auf den Selbstauslöser gedrückt - Oder: Das dümmste Selbstporträt, das Yahoo abgeben konnte

27.06.2007 14:58 Uhr | Kommentare: 1 | Kommentar hinterlassen

Yahoo, Yahoo - so dumm bist nur Du …

Manchmal ergibt sich die Erklärung warum man nie die Nummer Eins sein wird von selbst: Das Yahoo das mit der Suchmaschine selbst aufgegeben hat, ist ja hinlänglich bekannt. Was neu ist, ist die Tatsache, daß man es jetzt im Web 2.0 auch nicht wirklich vorhat, eine ganz große Nummer sein zu wollen.

Aber nicht nur Yahoo sondern auch deren Aktionäre sind taub für den Puls der Web 2.0 Zeit, wie sie erst kürzlich bei der Ablehnung eines Anti-Zensur-Antrags bewiesen haben. Da kann es eigentlich nicht wirklich überraschen, daß Yahoo bei der Einführung der deutschen flickr-Oberfläche auch hier gleich ein bischen Bevormundung mit einbaute. Zu Recht wurde das von den deutschen flickr-Usern - insbesondere denen mit bezahltem Pro-Account - als Zensur erfiunden.

Think flickr, think

Den daraufhin entstanden Sturm der Entrüstung war niemand bei Yahoo oder flickr in der Lage richtig zu managen. Wärend die deutschen User zuerst mit der Aktion “Think flickr, think” versuchten ihren Ärger Luft zu machen, wurde der Ärger schnell noch größer, da Yahoo und flickr in Form von “nicht reagieren” glaubten die Krise in den Griff zu bekommen.

Von Erich Mielke zu flickrNach langem Schweigen gab es dann erste zaghafte Erklärungsversuche, die die deutsche Gesetzgebung zum Thema Jugendschutz als Grundlage angaben. Allerdings waren sie so halbherzig, daß sie den Sturm nur noch mehr anfachten und immer neue Protestbilder, wie zum Beispiel das linke von Felicea (Mela), nach sich zogen.

Die Verweise von Yahoo auf die deutsche Gesetzgebung zum Jugendschutz wurden selbst vom deutschen jugendschutz.net als völlig überzogen bezeichnet. Da Yahoo partout nicht einlenken wollte, begann die Suche nach Alternativen zu flickr und damit die Abwanderung. Da freute sich dann vielleicht sogar manch piefige deutsche Foto-Community über einen eventuellen Zustrom neuer User. Was diese allerdings wenig verstehen, ist die Tatsache, daß es vielen flickr-Abwanderern auch um eine internationale Community geht.

Mittlerweile hat Yahoo zwar eingelenkt. Halbherzig, versteht sich: Die Filter wurden etwas entschärft, abschalten kann man sie hingegen als deutscher Benutzer immer noch nicht ganz. Und wer gegangen ist, wird wohl kaum zu flickr zurück kehren.

Was bleibt?!

flickr hat schon vor der Beschneidung der deutschen User angefangen, wilde Aktionen mit den Bildern einige Leute zu veranstalten. Und auch in den Fällen war das Krisenmanagement nicht sonderlich überzeugend. Ob die Aktionen nun von flickr selbst ausgingen oder von der Yahoo-Mutter iniziert wurden, interessiert eigentlich nicht wirklich jemanden. Beide haben sich keinen Gefallen getan und die grundsätzlichen Vorbehalte vieler Leute gegen Yahoo sind heute größer als jemals zuvor. Unabhängig davon: Die Beschränkung des Zugangs zu Inhalten kam und kommt im Internet nicht gut an. Das hätte das Duo aus Yahoo und flickr wissen müssen. Und wer dann seine User gleich noch selbst zum Weggehen auffordert, hat eigentlich schon längst verloren.

Und die User - die Quelle des Contents, der neben den sozialen Beziehungen das Web 2.0 ausmacht - haben eine Erfahrung machen müssen, die dem Hype einen herben Schlag versetzt: Es gibt zwar genug konkurierende Angebote und damit ist das Umziehen schnell möglich. Allerdings dürfte es weitaus schwieriger sein, alle seine Bekannten auch dazu zu überreden. Bei Telepolis findet sich unter dem Titel “Wechsel nicht möglich“, ein guter Artikel, der beschreibt, warum es trotz vieler Anbieter unter Umständen doch nicht so einfach ist zu wechseln.

Und ich?

Auch wenn es Einigen jetzt nicht gefallen wird, aber ich werde meinen Pro-Account bei flickr erstmal behalten. Einer der Gründe ist, daß ich flickr mehr aus praktischen Erwägungen nutze als aus Community/Web 2.0-Gründen. Allerdings bleibt auch bei mir ein bitterer Nachgeschmack, denn immerhin ist die Geschichte ja noch nicht ganz ausgestanden. Das heißt, daß ich zukünftig eher darüber nachdenke, ob ich das eine oder andere - wie zum Beispiel seglr - über flickr realisiere oder mir doch lieber jemand Anderen suche. Was ich auf gar keinen Fall mehr tun werde, ist flickr Pro-Accounts zu empfehlen oder zu verschenken. Damit ist Schluß - schließlich will ich weder einem tauben Monster wie Yahoo noch stumpfsinnigen Aktionären in ihrem Kurs unterstützen.

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