Mehrsprachige Webseiten - funktioniert Content-Negotiation?

28.01.2006 20:25 Uhr | Kommentare: 4 | Kommentar hinterlassen
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Wer eine mehrsprachige Internetpräsenz aufbauen will, muß sich zuerst Gedanken machen, wie er den Besucher auf die unterschiedlichen Spachversionen des Inhalts leitet. Eine automatische Möglichkeit ist:

Content-Negotiation

Unter Content-Negotiation versteht man ganz allgemein, das Vorhalten verschiedener Versionen eines Webressource (z.B. eine Webseite oder ein Bild) unter der selben Adresse (URL). An Hand der Möglichkeiten des Webbrowsers wird die am Besten passende Ressource automatisch ausgewählt und zum Anwender übertragen.

… Content-Negotiation is a mechanism defined in the HTTP specification that makes possible to serve different “versions” of a document (or more generally of a resource) at the same URL, so that user agents can choose which version fit their capacities the best …

Wie Content-Negotiation ganz allgemein funktioniert

Der Webbrowser des Besuchers teilt bei einer Anfrage dem Webserver seine Fähigkeiten über den HTTP-Header Accept mit. Der Webserver entscheidet durch diese Information dann, welche der verschiedenen Versionen der Ressource am Besten zu den Möglichkeiten des Browsers paßt und überträgt diese dann zum Besucher.

Content-Negotiation bei unterschiedlichen Sprachen

Bei statischen Dateien werden zwei unterschiedliche Dateien auf dem Webserver abgelegt:

test.html    [das ist die Standarddatei]
test.html.de [das ist die Datei mit dem deutschen Inhalt]

Hat der Besucher nun in seinem Browser als erste Sprache Deutsch [de_DE] für Webseiten eingestellt, wird die Datei test.html.de zu ihm übertragen - in jedem anderen Fall liefert der Webserver die Datei test.html aus.

Werden die Webseiten dynamisch generiert, gibt es mehrere Möglichkeiten den Inhalt entsprechend der richtigen Sprache zusammenzustellen. Auf diese möchte ich hier aber nicht weiter eingehen, da die eigentliche Frage ja war:

Funktioniert Content-Negotiation bei mehrsprachigen Webseiten?

Ich glaube nicht!
Es scheitert nicht an der Technik - die beherrscht die Materie sehr wohl - das Problem liegt beim Anwender. Wie auch Alan J. Flavell bin ich der Meinung, daß die meisten Besucher, ihren Browser nicht wirklich kennen. Das ist nicht böse gemeint - es ist einfach nur eine Feststellung:
Sie surfen durchs Netz und wollen etwas Finden, Lesen oder einfach nur Unterhaltung. Sie interessiert nicht unbedingt, wie sie etwas konfigurieren. Ganz zu schweigen davon, daß viele Angst davor haben, bei diesen Konfiguartionen etwas kaputt zu machen. Und diese Angst ist nicht ganz unberechtigt bei vielen.

Natürlich könnte man versuchen jedem User zu erklären, wie er seinen Browser konfigurieren muß, damit die richtige Sprache übertragen wird. Ich sehe schon die die bei immer mehr werdenden Browsertypen und Variationen endlose Sammlung an Hardcopies der einzelnen Konfigurationsschritte. Viel Aufwand für etwas was auch in den OnLine-Hilfen der jeweiligen Browser schon steht - aber auch da nicht gelesen wurde.

Natürlich könnte man auch für jeden Zugriff erst nachsehen, aus welchem Land die IP-Adresse stammt und darauf hin die entsprechende Sprache übertragen. Von den eventuellen Performanceproblemen mal abgesehen - aber der Engländer zum Beispiel, der sich in Deutschland aufhält, würde von hier aus nur schwer an den englischsprachigen Inhalt kommen.

Ein weiteres Problem ergiebt sich auch mit den Suchmaschinen. Da die unterschiedlichen Sprachversionen unter der selben URL vorhanden sind, muß man sich überlegen, welche Sprache man indizieren läßt. Man kann zwar noch ein bißchen Tricksen aber irgendwann wird es dann doch unübersichtlich.

Soweit zu meiner Meinung, daß Content-Negotiation nicht die richtige Wahl für mehrsprachige Inhalte ist.

Wege zur Mehrsprachigkeit

Grundsätzlich würde ich für jede Sprache eine separate Domain reservieren. Florian geht jetzt mit Kreativ Rauschen diesen Weg, nachdem er vorher eine andere Lösung hatte. Bei ihm ist jetzt der englische Inhalt unter kreativrauschen.com zu finden und der deutsche Inhalt bekommt jetzt exklusiv die de-Domain kreativrauschen.de. Ich hoffe, daß er uns gelegentlich über die Reaktion der Suchmaschinen auf die sprachliche Entflechtung seiner Inhalte auf dem laufenden hält.

Sollte eine zweite Domain nicht möglich sein, würde ich immer unterschiedliche und eindeutige Pfade für die verschiedenen Sprachen wählen.

Meiner Meinung nach reicht es, wenn man den Besucher über entsprechende Links und Flaggen auf die unterschiedlichen Sprachen hinweist. Diese Wahlmöglichkeit sollte natürlich entsprechend einfach auf der jeweiligen Webseite zu erkennen sein.

Andere Anwendungen für Content-Negotiation

PNG versus GIF
Bekanntlich gibt es ja Browser, die so ihre Probleme mit transparenten PNG-Bildern haben. Hier schafft Content-Negotiation Abhilfe für den Autor und den Besucher. Ein mögliches Vorgehen dazu beschreibt Lars Eilebrecht.

XHTML 1.0 mal als text/html und mal als application/xhtml+xml
Content-Negotiation Techniques to serve XHTML 1.0 as text/html and application/xhtml+xml beschreibt die Anwendung von Content-Negotiation um Browsern, die neuere MIME-Types nicht verstehen, den Inhalt als text/html auszuliefern. Es erübrigt sich wohl den Namen des betroffenen Browsers separat zu erwähnen.

Weitere Links
+ Apache Informationen zu Content-Negotiation
+ Apache Beschreibung Modul mod_negotiation

4 Kommentare zu “Mehrsprachige Webseiten - funktioniert Content-Negotiation?”

  • #1
    Gravatar Klara Decker meinte

    Danke! Ich habe keine Ahnung, wer Sie sind (ich habe einfach nach “mehrsprachigen Webseiten” gesucht, weil ich eine solche gestalten will), aber Sie sprechen mir aus der Seele. Dies hier ist auch erst der zweite Artikel zum Thema, der erste war von einer Uni zum Thema “Content Navigation mit Apache Webserver” und so ziemlich das erste, was ich bei der Lektüre gedacht habe, war: “Ich kann beim Browser Sprachpräferenzen einstellen? Wusste ich gar nicht.” Und ich surfe immerhin auch schon seit ein paar Jahren und lösche sogar von Zeit zu Zeit meine Temporären Internetdateien ;-)

    Grüsse aus Frankreich (wenn mir jemand die Sprache nach IP-Adresse ausgibt, flippe ich aus)! Klara

  • #2

    @Klara:
    Danke für die Blumen - ich habe durch den Umbau etwas Zeit gebraucht um zu antworten.

    Gerade bei Ihnen kann ich mir vorstellen, daß eine Sprachauswahl über die IP-Adresse Sie besonders erfreuen wird. Das sind auch ein Grund warum ich solche Verfahren nicht mag. Schließlich will man ja auch im Urlaub - oder bei längeren Auslandsaufenthalten - mal nach hause surfen.

    Es wäre schön, wenn Sie mitteilen würden, wie Sie sich bei Ihrem Projekt entschieden haben.

  • #3

    Ich verwende ?lang=[de|br|…] als Paramenter, um die Sprache intern zu handhaben, enarion.net zum Beispiel funktioniert so. Umgeschaltet wird dann mit einem Flaggen-Icon.
    Alternativ kann natürlich noch ein 301 vorgeschaltet werden, um auf die Sprache nach Content-Negotiation und/oder IP-Adresse umzuleiten.

    Soweit ich das beurteilen kann, funktioniert es so sehr gut - Google hat sowohl die englischen als auch die deutschen Seiten indiziert. Wenn ich auf Google Brazil nach dieser Website suche, wird sogar die einzige Seite in Portugisisch als 2. Treffer (1. ist Hauptseite in Englisch) gefunden - das ist schon ziemlich gut. ;-)

  • #4

    Vielen Dank für deinen Beitrag.
    Nach langen hin und her werde ich für die anstehenden Überlegungen zur Übersetzung meiner Seite auf jeden Fall verschiedenen URLs nehmen. Das “Risiko” ist einfach zu groß, dass die Suchmaschinen die Seite nicht richtig indizieren. (Anführungszeichen, weil sie ja zwangsweise nur eine Sprache indizieren können.)

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