Benutzerfreundlich = Suchmaschinenfreundlich = Abmahnfreundlich?

09.01.2006 14:31 Uhr | Kommentare: 4 | Kommentar hinterlassen

Zwischendurch lief auf dem Werbeblogger im täglichen Update des Falles WerbeBlogger gegen die Klum GmbH eine interessante Diskussion, die ich hier mal in einigen Auszügen aus den Kommentaren als Zitat wiedergeben möchte. Die Zitate sind von mir auf das für mich hier Wichtige gekürzt. [SEO = Search Engine Optimization = Suchmaschinenoptimierung]:

Jan:

1. Blog-Software funktioniert nach SEO-Aspekten, ein Punkt, der hier viel zu wenig Beachtung findet. Es ist ja gerade der Sinn der Software, URL’s zu erzeugen, die möglichst prominent bei Google gelistet werden, es ginge ja auch anders. Durch die gegenseitigen Trackbacks/Backlinks erscheinen die Seiten ausserdem als wichtig. Das bedeutet: Blogs erfreuen sich zunehmender Beliebtheit bei SEO’s. SEO hat aber was mit Online-Werbung zu tun, da wird GELD verdient! insofern geht Herr Klum schon irgendwo (unbeabsichtigt) in die richtige Richtung (nach der Art: “wie jetzt, andere Seiten werden noch vor meiner Heidi-Seite gelistet? Ist das erlaubt?”), denn:

2. Für jeden medialen Menschen ist Google mittlerweile wichtig geworden, für die einen, weil sie was finden, für die anderen WEIL SIE GEFUNDEN WERDEN WOLLEN. Die Kombination Google+Blogs wird uns bald sehr stark beschäftigen, wenn man einige Gedanken mal weiterspinnt, nicht nur was Markenrecht angeht (denke da an Personenrechte, Rechte am eigenen Bild, Urheberrechte etc.)

Patrick

gehe auf die Generierung der Links ein. Natürlich wurden die meisten Weblogsoftwares so ausgelegt, dass die Einträge mit dieser URL-Methode später besser gefunden werden, als mit dynamischen Links. Ich frage mich jedoch was daran so schlimm ist? Sind alternative Informationsquellen wie wir es sind, weniger erwähnenswert? Wenn ich nach etwas suche, möchte ich auch außerhalb der gängigsten Einheitsmedien (das kann ich ja auch direkt tun oder von mir aus über Google-News und anderen nachrichtenportalen) informiert werden. Wenn ein Weblog aufgrund seiner Kompetenz, Beliebtheit oder was auch immer gut verlinkt wird, so darf diese doch auch bei Google nach oben wandern oder?

Zu dem Argument “es ginge ja auch anders” kann ich nur sagen, wieso sollte ich als Webmaster wollen, dass ich schlechtere Chancen in Kauf nehme gefunden zu werden, als andere Anbieter? Denn seien wir doch mal ehrlich, jeder möchte mit seiner Seite möglichst viele Menschen erreichen. Und so lange jeder auf diese Funktion zurückgreifen kann (ich übrigens habe mir die Software nicht nach SEO-Gesichtspunkten ausgesucht) wird das auch jeder tun, der sich momentan noch diesen angeblichen Vorteil verschaffen kann. Wenn also jeder dieses Verfahren nutzen würde, wäre dann alles wieder ausgeglichen? Wahrscheinlich nicht, denn Google z.B. schaut eher auf die Verlinkungen einer Seite.

Soweit zu den Zitaten.

URLs für die Benutzerfreundlichkeit

An welche Form der URL kann sich ein Besucher leichter erinnern: /index.php?p=0123,1,we oder /mein_lieblink. Ich glaube die Antwort ergibt sich von selbst. Warum soll jetzt die leicht lesbarere und einprägsamere Form der URL zum Nachteil des Besuchers künstlich und zur “Nullaussage” verstümmelt werden? Ich sehe keinen Grund. Die URLs von Weblogs sind in der Regel in der Form /Jahr/Monat/Tag/Titel. Man erkennt sofort auf einen Blick, von wann der Beitrag ist. Jeder der eine Webseite schreibt ist auch Besucher auf anderen Webseiten. Ich schätze es, sofort sehen zu können, wie aktuell der Beitrag ist. Bei technischem Inhalten auf einem Blick zu sehen, ob der Artikel aus dem Jahre 2000 oder 2006 stammt ist mehr als hilfreich.

Und es gibt noch einen anderen extrem wichtigen Grund: Bei der automatischen Benachrichtigung von hier zum WerbeBlogger gab es eine Übertragungsfehler - die Beitrags-URL wurde nicht vollständig übermittelt oder abgeschnitten weil sie zu lang ist: Man beachte die URL bei meinem automatischen Kommentar beim Werbeblogger [links oben www.im-web-gefunden.de]. Wenn der Besucher beim WerbeBlogger jetzt auf diese URL klickt, wird diese Seite hier nicht gefunden, da sie nicht existiert. Der Benutzer wird auf meine Suchseite umgeleitet. Dabei werden aus der angeforderten URL entsprechende Auswahl- und Suchmöglichkeiten dem Anwender automatisch angeboten. Ich will es noch mehr verdeutlichen (die URLs sind hier nur der Übersichtlichkeit halber auf mehrere Zeilen umgebrochen):
Die Original-URL lautet vollständig:

http://www.im-web-gefunden.de/2006/01/03/
zwei-neue-faelle-von-du-weisst-schon-wer-der-oder-die-dessen-
namen-nicht-genannt-werden-duerfen/

Die beim WerbeBlogger gespeicherte hingegen nur:

http://www.im-web-gefunden.de/2006/01/03/
zwei-neue-faelle-von-du-weisst-schon-wer-der-oder-die-desse

Über den Teil 2006/01/03 wird jetzt dem User das Archiv vom 03. Januar 2005 als eine Möglichkeit angeboten. Aus dem angeforderten Titel zwei-neue-faelle-von-du-weisst-schon-wer-der-oder-die-desse werden nur die Wörter mit mehr als fünf Buchstaben genommen und damit das Suchfeld vorausgefüllt. D.h., daß das Suchfeld mit den Begriffen faelle weisst schon desse vorausgefüllt wird. Die Wahrscheinlichkeit, daß der Besucher so zum gewünschten Beitrag kommen kann, ist nahe 100%. Diese Funktionalität ist mit URLs der Form /index.php?p=58 oder /index.php?p=0123,1,we nicht zu realisieren.
Wichtige Hinweis
Nach dem ich den Fehler mitbekommen habe, habe ich eine automatische Weiterleitung auf den richtigen Artikel eingerichtet. Diese Weiterleitung deaktiviere ich jetzt zu dem Demozwecken bis zum 20. Januar 2006. Nach diesem Tag wird der Besucher wieder automatisch zum richtigen Beitrag geleitet.

Was gut für den Benutzer ist, mag auch die Suchmaschine

Es ist kein Geheimnis, daß Suchmaschinen ihre Algorithmen immer weiter verfeinern und dabei versuchen, sich der menschlichen Wahrnehmung von Informationen anzunähern. In dem Zusammenhang ist doch klar, daß eine URL, die Wörter beinhaltet, besser bewertet wird als kryptische nichts aussagende Zahlen-, Zeichen- und Buchstabenkombinationen. Mir geht es doch nicht anders. Wenn sich die Wörter aus der URL dann noch in einer entsprechenden Menge und Verteilung im Text wiederfinden, dann wird es sich wohl nach aller Wahrscheinlichkeit um einen ordentlichen Beitrag zu dem Thema handeln. Das in Kombination mit Links von anderen Webseiten zum gleichen Thema macht im Endeffekt den Platz beim Suchergebnis aus. Und wer jetzt glaubt, daß alles ganz einfach sei und man auf diesem Wege schnell zu einem guten Ergebnis kommt, den möchte ich auf Diskussion aufmerksam machen. Es gibt zwar auch von mir hier einen Artikel dazu, aber Geralds Posting paßt besser als Ergänzung.

Gefunden - die Suchmaschine als Adressdatenbank für Abmahnempfänger?

Es gibt nicht nur “nette” Menschen auf der Welt und im Internet. Deshalb bestreitet auch niemand, daß sich die oben angerissenen Verfahren und Methoden auch für die falschen Zwecke benutzen - und somit mißbrauchen - lassen. Allerdings sollte man sich davor hüten, immer zuerst mal unlautere Absichten zu unterstellen. Nur weil jemand vor mir und/oder kurz nach mir im Ergebnis der Suchmaschine steht, habe ich noch lange nicht das Recht ihm böse Absichten zu unterstellen. Es gilt, den einzelnen Fall zu untersuchen. Und zwar jeden einzelnen, von dem man glaubt er werde mißbräuchlich benutzt. Die Ergebnislisten von Suchmaschinen sind Momentaufnahmen des Internets aus der Sicht der jeweiligen Suchmaschine. Das Internet, seine Technologien und auch seine Suchergebnisse sind permanent im Wandel: Wer heute auf Platz Eins ist und es auch morgen noch sein will, sollte schon gestern angefangen haben daran zu arbeiten. Daran dürfen weder eingetragenen Namen, Bezeichnungen oder Marken etwas ändern. Der schlimmste Fall wäre doch, wenn ein Markeninhaber nach dem er auf Platz eins ist, nichts mehr dafür tut. Er könnte nur durch reines Beharren auf seinem Markenrecht unter Umständen - und vielleicht sehr schwarz gemalt - die (technische) Entwicklung des Internets negativ beeinflussen. Will das wirklich jemand? Nehmen wir drei Beispiele:

Der WerbeBlogger vs Heidi Klum GmbH und das Sozialgericht Bremen gegen den ShopBlogger
Wer die Fälle nicht kennt, kann hier eine kurze Einführung finden. Sowohl der ShopBlogger als auch der WerbeBlogger haben nur kurz über etwas berichtet, was ihnen erwähnenswert schien. Ihr Fehler dabei war nicht nur, daß die jeweilige Gegenseite ihren eigenen Namenszug in der URL entdeckte, sondern sie schienen auch zu hoch bei Google gelistet. Und so kam es zu den Vorwürfen wegen Namensanmaßung und unerlaubter Werbung. Die beiden hatten den Mut, mit den jeweiligen Anschuldigungen über ihre Blogs an die Öffentlichkeit zu gehen. Nach der Unterstützung durch die deutschen Blogger sind mittlerweile aus den kleinen Berichten der beiden weltumspannende Schlagzeilen geworden, bei denen die jeweiligen Kläger keine so gute Figur machen. Warum ist das so? Die gegen die beiden erhobenene Anschuldigungen sind in keinster Weise gerechtfertigt, da sie sich durch ihre jeweiligen Artikel keinen Vorteil verschaffen wollten. Wenn es anders wäre, würden sie nicht eine solche Unterstützung erfahren. Oder hilfst Du Spamern und Betrügern?

Sony BMG, Microsoft und andere Firmen
Gestern schrieb ich etwas zur Entschuldigung von Sony BMG wegen ihres Kopierschutzes. Die dazugehörige URL enthält die Wörter Sony und BMG. Der Artikel ist ein Bericht, der zusätzlich die (kritische) Meinung von mir zu bestimmten Vorgängen enthält. Soll das über den Umweg der URL und/oder vielleicht eines Suchergebnisses bei Google auf den hinteren Plätzen nicht mehr möglich sein? Soll das zum Grund für gerechtfertigte Abmahnungen werden dürfen?! Kritische Kunden, die sich äußern?! Ich denke, das darf nicht das Ergebnis sein. Vielleicht sollten Firmen und Markeninhaber vielleicht auch mal ein bißchen undenken und anders reagieren: Interaktive Systeme wie Blogs haben eine Kommentarfunktion. Warum nutzen die Firmen nicht den Kommentarbereich zu entsprechenden (Gegen-)Darstellungen und Links zu ihren eigenen Seiten. Sony ist dazu hier genau so eingeladen wie Microsoft und andere Firmen.

Der spezielle Fall: Blond am Freitag
Die Geschichte vom “Blondinenwitz der Blogger” ist spätestens seit dem Artikel im Spiegel OnLine weit bekannt. Mein Posting schrieb ich am 30. Dezember - einem Freitag. Und so gab ich ihm den Namen der Fernsehsendung, die ich selbst gerne gucke: “Blond am Freitag“. Vier Tage nach dem ich “Blond am Freitag” geschrieben hatte, war ich bei Google - je nach dem wie man sucht - entweder auf Platz 3 oder 5. Beide Ergebnisse sind im direkten Umfeld der ZDF-Seite zur Sendung. Dadurch könnte ich theoretisch Besucher bekommen, die zusätzliche Informationen zur Talkshow haben möchten - die sie aber bei mir nicht finden.
Jetzt wäre es natürlich ein leichtes festzustellen, ob ein Besucher meines “Blond am Freitag”-Beitrages von Google aus der Ergebnisliste für blond am freitag stammt. Wenn dem so ist, könnte ich gleich zu Anfang des Beitrages für diesen Besucher eine Information einblenden, daß die Seite die er gerade sieht, nichts mit der ZDF-Sendung zu tun hat und ihm gleich mehrere Links zu weiteren Informationen zur eigentlichen Sendung anzeigen. Der vermeintliche Witz würde für diesen Besucher dann erst am Ende stehen. Für den Besucher wäre es unter Umständen von Vorteil - aber: Jetzt könnte mir das ZDF direkt unterstellen, daß ich von ihrer Sendung profitiere und mit ihren Sachen Werbung für meine Interessen mache. Das ich damit dem Besucher eigentlich was Gutes tun wollte, steht dann nicht mehr im Vordergrund. Das ist der Grund, warum der Beitrag für alle gleich aussieht.
Dieser Fall mag übertrieben scheinen - aber was ist, wenn man sich das in einem anderen Kontext vorstellt: Zum Beispiel hätte der ShopBlogger mit zusätzlichen Informationen für spezielle Besucher bei seinem Sozialgerichts-Artikel so vorgehen können. Obwohl es für den Benutzer von Vorteil gewesen wäre - das Sozialgericht hätte das wahrscheinlich ganz, ganz anders gesehen und wäre noch härter gegen ihn vorgegangen. Wie man sieht - es bleibt ein Spagat, den auch der Verfasser manchmal nur schwer lösen kann.

Zum Abschluß

Ich hoffe, daß es mir mit den vielen Zeilen ein bißchen gelungen ist, die Materie etwas zu erhellen. Es gibt Gründ warum URLs so benutzerfreundlich als möglich sein sollten - und in einem bestimmten Kontext weder eine Namensanmaßung noch unberechtigte Werbung sind.

4 Kommentare zu “Benutzerfreundlich = Suchmaschinenfreundlich = Abmahnfreundlich?”

Hinterlasse einen Kommentar

Bitte beachten: Mit der Abgabe eines Kommentares oder dem Senden eines Trackbacks erklärst Du Dich mit den Kommentar- und Trackbackrichtlinien einverstanden!

XHTML: Diese Tags sind erlaubt: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <code> <em> <i> <strike> <strong>

Du kannst Deinen Kommentar nach dem Abspeichern noch 30 Minuten bearbeiten.

Kurznavigation

Featured Story

WordPress-Plugins

Tags

Kategorien

Empfehlungen

Hilfen und mehr ...

Kommerzielle Angebote

Anderes