Sony BMG entschuldigt sich für sein Rootkit

07.01.2006 18:03 Uhr | Kommentare: 0 | Kommentar hinterlassen
Einsortiert in Software, Gesellschaft

Das Management von Sony BMG hat augenscheinlich einen ganz eigenen Blick auf die Welt - und welche Rolle dabei der Endanwender spielt ist zweifelhaft. Erinnern wir uns ein bißchen: Zuerst sagte Thomas Hesse, Präsident Global Digital Business-Abteilung bei Sony BMG:

“Ich glaube, die meisten Menschen wissen gar nicht was ein Rootkit ist, warum sollen sie sich also darum kümmern?”

Wahrscheinlich wußte aber auch das Management bei Sony BMG nicht wirklich was ein Rootkit ist. Oder sie haben sich auf die übliche “Bunte Powerpointfolien-Art mit vielen Tortendiagrammen” darüber informieren lassen. Natürchlich waren sie nebenbei telefonieren und im Foliensatz ging es eigentlich nur um die Verluste durch Raubkopien. Und ganz am Schluß - auf den vorletzten beiden Folien - stand dann die Lösung mittels Kopierschutz - um mit einem steil ansteigenden Einnahmengraph auf die Vorteile dieser Methode abzuschließen. Das Management hat natürlich nicht verstanden worum es technisch ging - wichtig war ja die Aufbereitung und nicht der Inhalt. So was nennt sich “managementgerecht aufbereitet“. Der gemeine Mitarbeiter lächelt nur abwertend über diese Simplifizierung komplexester Vorgänge - aber er darf ja auch nicht dem Management reden und auf die Gefahren hinweisen. Wahrscheinlich war es auch bei dieser Managementvorlage so - und dann wurde von den nebenbei eingesparten Personalkosten die Unternehmensberatung bezahlt - denn: Es ging schief. Jedenfalls hat jetzt der Chef des Sony-Konzern, Howard Stringer, höchstpersönlich das Ruder in die Hand genommen und sich entschuldigt. Allerdings sollte er wirklich die Unternehmensberatung wechseln - oder vorher über das, was er da sagt, nachdenken. Wie erkären sich sonst solche Worte:

… Sony BMG hatte nicht die Absicht, den Konsumenten zu bestrafen … Inhalte und Technologie sind merkwürdige Bettgenossen. Wir hängen zusammen. Und manchmal verstehen wir uns nicht. Aber ist das nicht letztlich die Definition einer Ehe? …

Wie hoch muß die Wolke sein auf der so ein Management sitzt? Was geht in einem vor, Konsumenten also Kunden - und bestrafen gleichzeitig im Kopf zu haben? Bei dieser Verbindung ist es dann auch egal, daß man sie nicht bestrafen wollte. Und bestrafen wofür? Das sie dieses Management mit ihren Käufen mitbezahlten? Ihre Rechner Sony für dieses Experiment nicht nur kostenlos zur Verfügung stellten sondern auch noch Geld ausgaben um an diesem Test unfreiwillig teilnehmen zu dürfen? Wofür wollte man sie nicht bestrafen? Ist daraus die Schlußfolgerung zu ziehen, daß Sony in anderen, zukünftigen Fällen seine Kunden unter Umständen doch bestrafen will?! Inhalte und Technologie - mein Eindruck ist, daß es eigentlich lauten sollte: Management und Technik verstehen sich nicht. Doch das ist allgemein bekannt und in diesem Punkt befindet sich Sony in guter Begleitung mit anderen - auch deutschen - Großunternehmen. Dieses Management hätte sich einfach nur entschuldigen sollen, statt coole Sprüche zu machen. Jedenfalls denke ich, als eigentlicher Sony-Fan, jetz darüber nach, ob ich solche Manager finanzieren will.

Weitere Beiträge zum Thema:
+ Netzeitung: Sony-Chef entschuldigt sich für CD-Kopierschutz
+ Heise: Sony-Chef entschuldigt sich für Kopierschutz per Rootkit

 

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